Spatenstich für Hochwasserbecken im Reichenbachtal

Nach insgesamt 10-jähriger Planungs- und Genehmigungsphase ist es endlich so weit - der Bau des Hochwasserrückhaltebeckens im Reichenbachtal hat begonnen

Bürgermeister Bernhard Richter, MitarbeiterInnen  des Ortsbauamtes und  Vertreter des ausführenden Büros Wald + Corbe sowie  der beauftragten Baufirmen Rossaro und Filstalbau gaben  am 14. Mai den Startschuss zum Bau des Hochwasserschutzes im Reichenbachtal. "Ich bin froh, dass der Bau des Beckens jetzt endlich beginnt und alle Hürden ausgeräumt werden konnten. Schließlich warten die Bürger in der Ortsmitte sehnlichst auf den Hochwasserschutz. Mit knapp 3 Mio Euro erhalten wir hierfür die höchste Einzelförderung einer Maßnahme in Reichenbach durch das Land Baden-Württemberg. Dafür sind wir sehr dankbar."

Vor dem Hintergrund des fortschreitenden und anthropogen induzierten Klimawandels, werden sich die Extremereignisse künftig mehren. Abgesehen von historischen Wärmerekorden wie erst im vergangenen April aufgezeichnet, bedeutet dies vor allem auch extremere Regenfälle und daraus resultierend erhöhte Hochwasserrisiken. Um dieser Gefahr nachhaltig zu begegnen, wurde nach dem letzten großen Hochwasser in Reichenbach im Jahr 2007 eine Hochwasserschutzkonzeption, begleitend zu bereits umgesetzten Schutzmaßnahmen, zur Planung beauftragt. Dabei wurden alle Gewässer innerhalb eines Flussgebietsmodells digital abgebildet und mit Hilfe von ortsspezifischen Parametern regionalisiert – dies bedeutet, dass durch Berücksichtigung aller Randbedingungen wie beispielsweise die Bodenverhältnisse, die Topographie oder technische Bauwerke, das Abflussverhalten und die Wasserspiegellagen an jeder Stelle des Gewässers genau bestimmt werden können. Aus den Ergebnissen dieser Untersuchung konnten im Anschluss Schwachstellen aufgezeigt und konkrete Lösungsansätze erarbeitet werden. Es stellte sich hierbei heraus, dass ein sinnvoller Hochwasserschutz für den Reichenbach nur über ein vor der Ortslage befindliches Rückhaltebecken, welches ein statistisch einmal in 100 Jahren auftretendes Hochwasserereignis (HQ100) auffangen kann, zu erreichen ist. Somit war der Grundstein für den weiteren Planungsrahmen gelegt. Da ein Hochwasserrückhaltebecken für den Bau und Betrieb einen hohen Flächenbedarf und somit Eingriff in den Naturraum zur Folge hat, wurden in der Vorplanung in enger Abstimmung zwischen dem Gemeinderat, dem planenden Ingenieurbüro sowie dem Landratsamt Esslingen drei Vorzugsvarianten erarbeitet.

Innerhalb des Variantenvergleichs wurden ökologische, technische, eigentumsrechtliche und umweltrelevante Parameter gegeneinander abgewogen. Die nun im Bau befindliche Variante (V2) setzte sich aufgrund der bestmöglichen Vereinbarung aller Randbedingungen durch. Neben der technischen Planung und Realisierung, welche durch das Ingenieurbüro Wald + Corbe erfolgte, fanden ebenso umfangreiche Untersuchungen und Planungen zum optimalen Erhalt und Ausgleich natur-, landschafts-, und artenschutzrelevanter Aspekte statt. Im Rahmen einer ganzjährigen Erhebung wurden alle vorkommenden Tier- und Pflanzenarten (dies beinhaltet ebenfalls Fische, Schnecken, Reptilien und Insekten) verzeichnet und anschließend im Rahmen einer Umweltverträglichkeitsstudie (UVS) erfasst, ausgewertet und in einen s. g. landschaftspflegerischen Begleitplan eingearbeitet. Hier werden Schutzgüter, die durch die Baumaßnahme des Hochwasserrückhaltebeckens beeinträchtigt werden, einer konkreten Ausgleichsmaßnahme zugeführt.So werden beispielsweise die in diesem Februar gefällten Gehölze, welche im Bereich des künftigen Dammbauwerks standen, durch umfangreiche Wiederaufforstungen mit standortgerechten Bäumen wie Erle, Silber-Weide, Hainbuche und Berg-Ahorn im direkt umliegenden Bereich ausgeglichen.

Der guten Zusammenarbeit und konsensorientierten Projektierung aller Beteiligten ist es zu verdanken, dass nach Abschluss aller Vorplanungen und Untersuchungen, und trotz mancher Verzögerung im Projektablauf aufgrund von Ergänzungen und offenen Verhandlungen, der Planfeststellungsbescheid vom Landratsamt Esslingen im September 2017 rechtskräftig erteilt werden konnte. Dieser ist in großen wasserrechtlichen Verfahren, wie er im Falle des Hochwasserrückhaltebeckens in Reichenbach vorliegt, mit einer Baugenehmigung vergleichbar und wird nur unter vorheriger Beteiligung und Abwägung der Belange aller Betroffenen erteilt. Dies ist, neben dem außerordentlich hohen Anspruch an die Planung, zudem ein maßgebender Faktor, weshalb das Projekt einen solchen zeitlichen Rahmen ausgeschöpft hat.Mit dem nun begonnenen Bau des Hochwasserrückhaltebeckens wird ein wesentlicher Grundstein zur weiteren Verbesserung der örtlichen Daseinsfürsorge gelegt, bei dem auch der wirtschaftliche Aufwand nicht außer Acht gelassen wird. Das gesamte Projekt wird über das Landesförderprogramm „Förderrichtlinie Wasserwirtschaft“ mit 70 % der Bau- und Planungskosten bezuschusst.

Im Folgenden nochmals die wichtigsten Eckpunkte zum Bau des Hochwasserrückhaltebeckens:
- Beckenvolumen: 95.000 m³- Beckenart: Trockenbecken (füllt sich nur im Hochwasserfall)
- Baukosten: ca. 4,4 Mio. € - davon 70 % Landesförderung (ca. 3 Mio. €)- Bauzeit: Mai 2018 – Dezember 2019
- Beckenbetrieb: automatisch gesteuertes Becken- Regelabgabe bei HQ100: 9,7 m³/s
- Bauausführende Firma Erd- und Stahlbetonbau: Carl Rossaro, Aalen
- Bauausführende Firma Stahlwasserbau: BIS Burger, Neresheim

Im ersten Schritt wird nun zunächst das Baufeld für die Baustelleneinrichtung und die Baustellenzufahrt freigeräumt und Lagerplätze für den Oberboden hergestellt. Um den Baustellenablauf und die einzelnen Baufortschritte detaillierter vorstellen zu können, werden nun in regelmäßigen Abständen weitere Artikel zum Projekt „Hochwasserrückhaltebecken im Reichenbachtal“ im Reichenbacher Anzeiger veröffentlicht. Interessierte können sich ebenfalls an der Aushangtafel des Ortsbauamtes im 1. OG des Rathauses Pläne und weiterführende Informationen zu den üblichen Geschäftszeiten einholen.  

     

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